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Tipps für Gasteltern

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Auszug aus der Zeitschrift "Elternzeit" des bayerischen Kultusministeriums

Gute Gastgeber

Unser Welt rückt immer mehr zusammen. Das trifft vor allem auf die Jugendlichen zu. Einen Gastschüler aufzunehmen, ist für die ganze Familie eine spannende Erfahrung.

Auslandsaufenthalte - ob Sprachreisen, ein Schüleraustausch oder ein Gastschuljahr - werden bei deutschen Jugendlichen immer beliebter. Eine Zeitlang in einem fremden Land und einer fremden Familie zu leben bringt großen Gewinn. Doch wenn es umgekehrt darum geht, einen ausländischen Schüler in die eigene Familie aufzunehmen, dann steht es mit der Gastfreundschaft der Deutschen nicht ganz so gut.

Tendenziell, so Gerhard Böttcher vom Bayerischen Jugendring, scheine es hierzulande manchmal schwer zu fallen, sich auf einen Fremden einzustellen. Oft sind Familien enttäuscht, dass ihr Gast nicht so "funktioniert", wie sie das erwartet hätten. Andere scheuen grundsätzlich vor den Umstän-den zurück, die ein Familienmitglied auf Zeit mit sich bringt. Dabei kann es eine große Bereicherung sein, für einige Zeit einen "Sohn" oder eine "Tochter" aus einem andern Land willkommen zu heißen.
Um ein guter Gastgeber zu sein, sollte man allerdings bestimmte Dinge bedenken.

Voraussetzungen
Wenn es nur um die Aufnahme eines Gastschülers und nicht um einen Austausch auf Gegenseitigkeit geht, ist es nicht nötig, ein Kind im Alter des Gastschülers haben. Für den ausländischen Jugendlichen kann auch der Kontakt mit jüngeren oder älteren Kindern der Gastfamilie sehr positiv verlaufen. Entscheidend ist, dass alle Familienmitglieder bereit sind, einen Gast aufzunehmen. In der Wohnung sollte so viel Platz sein, dass sich der Gast auch zurückziehen kann und seine Privatsphäre hat.

Verständigung
Deutsch wird in anderen Ländern oft nur mit wenigen Stunden unterrichtet, so dass die meisten Gastschüler geringe Sprachkenntnisse mitbringen und in der ersten Zeit fast nichts verstehen. Deshalb sollte man langsam sprechen, Sätze nochmals mit einfachen Worten wiederholen und das Gesagte durch Gesten anschaulich machen. Die Erfahrung zeigt, dass meistens nach vier Wochen der Durchbruch kommt. Nur wenn es sich bei wichtigen organisatorischen Fragen gar nicht vermeiden lässt, sollte man auf eine andere Sprache, z.B. Englisch, umsteigen.

Herzlichkeit
Deutsche haben oft ein eher zurückhaltendes Naturell. Doch wenn ein fremder Jugendlicher in die Familie kommt, ist es besonders wichtig, warmherzig und offen auf ihn zuzugehen. Denn die meisten Gastschüler erleben ihren Aufenthalt zunächst als Schock: Alles ist ungewohnt, sie können sich kaum verständlich machen, und nicht selten sind sie überhaupt zum ersten Mal im Ausland.

In der Schule
In der Regel sind die ausländischen Jugendlichen zum Schulbesuch verpflichtet. Für die Gastgeber sollte es selbstverständlich sein, ihr neues "Familienmitglied" bei der Schulleitung und den einzel-nen Fachlehrern vorzustellen. Dabei sollte man auch klären, wie der Gastschüler in den Unterricht einbezogen werden kann, damit er die Zeit nicht einfach absitzt. Vielleicht bietet sich die Teilnahme an Projekten, am Orchester oder einer Sportgruppe an. Oft ist es für den Gastschüler z.B. sinnvoll, den Deutschunterricht niedrigerer Klassen oder den Fremdensprachunterricht höherer Klassen zu besuchen. Auf jeden Fall sollte er auch alle nötigen Unterrichtsmaterialien und Lehrbücher erhalten.

Essen
Die Deutschen sind eher gewohnt, Probleme direkt anzusprechen. Nicht so in vielen anderen Kulturen. Ein Japaner würde sich wohl lieber die Zunge abbeißen, als zu gestehen, dass ihm vor der knusprigen Schweinshaxe graut. Gerade unterschiedliche Essgewohnheiten führen bisweilen zu unausgesprochenen Spannungen. Ein bewährter Tipp: den Gast mit zum Einkaufen nehmen und ihn selbst einige Produkte auswählen lassen.

Freizeitgestaltung
Viele Eltern wollen ihrem Gast ein möglichst attraktives Wochenendprogramm bieten. Hier ist weniger manchmal mehr. Denn vielleicht sind die Jugendlichen bereits durch die Fülle der Eindrücke unter der Woche "erschlagen". Auch teilen nicht alle Gäste die kulturellen oder sportlichen Interessen ihrer Gastfamilie. Am besten ist es, wenn man das Wochenende mit dem Gast gemeinsam plant und ihm mehrere Möglichkeiten zur Wahl stellt.


Auszug mit freundlicher Erlaubnis der Elternzeitschrift 04/2004 (StMUK)

© Deutsch-Französische Gesellschaft Hof e.V. - Hof, 12.09.2006