Zurück zur StartseiteNovember 2008

Bericht über die Hofer Soldatengräber

 
Sie sind hier: dfg-hof.de > Städtepartnerschaft > Soldatengräber 2008
Vous êtes ici: dfg-hof.de > jumelage > Soldats français 2008
Ausgabe 17.11.2008

Fünf Schicksale und ein Grabstein

Franzosengräber • Im Wittelsbacherpark wird an Kriegsgefangene aus Frankreich erinnert, die 1870 in Hof gestorben sind. Eine deutsch-französische Spurensuche beleuchtet erfolgreich deren vergessene Geschichte.
Von Kerstin Dolde

Hof – Im Wittelsbacherpark in Hof erinnert ein großes Ehrenmal an die Opfer des Krieges. Nur einen Steinwurf entfernt ist ein kleiner Gedenkstein zu finden, den kaum einer kennt. Fünf Namen sind darauf eingraviert. François Armand Duval, Alfonse Seurret, Henri Dumas, Max Charrier und Loius Quoirez steht zu lesen. Fünf Soldaten aus Frankreich, allesamt Opfer des deutsch-französischen Krieges von 1870/71. Gestorben sind sie 1870 in der Saalestadt.

Wer waren diese fünf Männer, von denen man nur noch die Namen weiß? Woher stammen sie? Warum sind sie in Hof gestorben? Welche Geschichten verbergen sich dahinter? Christiane Chapuis aus Villeneuve-la-Garenne, der Hofer Partnerstadt in Frankreich, hat sich diese Frage gestellt. Und sie strengte viele Nachforschungen an, die letztlich Licht ins Dunkel brachten.

Christiane und Jean-Louis Chapuis

Städtepartnerschaft

Es war im Jahr 2006, als Christiane Chapuis bei einer Fahrt in die Partnerstadt Hof auf das Grab mit den fünf französischen Namen aufmerksam wurde. Wer sind diese Entwurzelten, fragte sie sich. Dieser Gedanke ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Wieder zurück in Frankreich, setzte sie alles daran, deren Identitäten zu entschlüsseln. Ein Hofer stand ihr dabei hilfreich zur Seite: Herbert Pachsteffl von der Deutsch-Französischen Gesellschaft.

Ein Blick zurück in die Geschichte: Am 19. Juli 1870 erklärt Frankreich Preußen den Krieg. Die Kampfhandlungen sind blutig und fordern auf beiden Seiten viele Opfer. Etliche französische Soldaten passieren als Gefangene die Region. Ganze Züge mit Kriegsgefangenen halten in Hof. Der große Bahnhof ist eine Drehscheibe für die Truppenversorgung.

Duval, Seurret, Dumas, Charrier und Quoirez sind fünf, für die Hof Endstation ist. Sie kommen hier zu Tode und werden auf dem damaligen Friedhof am Sophienberg bestattet. Heute ist an dieser Stelle der Wittelsbacherpark

Christiane Chapuis und Herbert Pachsteffl forschen nach. Sie fragen beim bayerischen Armeemuseum nach, beim Staatsarchiv in Bamberg und verschiedenen Registern und Archiven der Kirchengemeinden und der Diözese Bamberg nach. Sie werden fündig. Die beiden finden heraus: Francois Armand Duval stammt aus Bellou en Haulne. Er starb an einem Schlaganfall, den er im Waggon bei seiner Ankunft am 21. Oktober 1870 auf dem Hofer Bahnhof erlitten hatte.

Die anderen vier Soldaten befanden sich in Gefangenentransporten, die von Metz aus Richtung Osten fuhren und zwischen dem 4. und 6. November in Hof Station machten. Bei der Ankunft wurden 63 Soldaten, die nicht mehr transportfähig sind, ausgeladen. 36 waren schwer verletzt und wurden im Krankenhaus aufgenommen. Die vier Soldaten, an die das Grab in Hof erinnert, starben am 10. und am 20. November 1870. Einer, so die Quellen, starb an Ruhr, einer an Lungenentzündung, der dritte an schwerer Tuberkulose und der vierte an innerer Verblutung.

Alfonse Seurret stammte aus Arcis-sur-Aube, war Mitglied des zwölften Dragonerregiments. Henri Dumas vom fünften Dragonerregiment kam aus Araches in Hochsavoyen. Ein Hofer Pfarrer, so finden die beiden Hobby-Historiker heraus, hat nähere Angaben notiert: „Habe ihm das heilige Sakrament angeboten und alle Soldaten redeten ihm zu, aber er glaubte nicht, so schwer krank zu sein – und starb ohne das Sakrament.“

Max Charrier war Soldat des achten Dragonerregiments aus Saint-Florent-Le-Viel. Von Louis Quoirez weiß man jetzt, dass er verheiratet war. Der Vater eines Kindes stammt aus Valenciennes und kam vom fünften Artillerieregiment, siebtes Bataillon.

Gräber werden gepflegt

Bereits 1872 gab es einen ersten Grabstein, eine Spende eines französischen Vereins. Als der Friedhof am Sophienberg in einen Park umgewandelt wurde, wurde der erste Gedenkstein entfernt. Die Gräber selbst wurden nicht angerührt. So, wie es einst im Frankfurter Vertrag von 1871 festgesetzt worden war, werden die Kriegsgräber weiter gepflegt. Den Stein, der heute noch zu sehen ist, hat die Stadt Hof im April 1911 setzen lassen.

Christiane Chapuis hat inzwischen Kontakt zu Nachfahren von einem der Soldaten, der in Hof begraben liegt, aufgenommen. „Dort war man ganz überrascht, etwas über den Urgroßvater zu erfahren“, erzählt Herbert Pachsteffl. Die Deutsch-Französische Gesellschaft in Hof hat jetzt auch eine zweisprachige Informationstafel am Grab der fünf Soldaten anbringen lassen.

Gedenkstein
Kleiner Stein mit Geschichte: Die fünf französischen Soldaten erlagen in Hof ihren Krankheiten. Ihr Grab wird heute noch gepflegt.
Foto: Funke



© Deutsch-Französische Gesellschaft Hof e.V.
Hof, November 2008