Zurück zur Startseite12 mai 2005 / 12. Mai 2005

Lesung: Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
Monsieur Ibrahim et les Fleurs du Coran

Eric-Emmanuel Schmitt

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Am Donnerstag, 12.05.2005, 19.30 Uhr im Klostercafé Hof (Eintritt frei)

Gestaltung des Abends: Isabelle Lesort und Andrea Plötz-Hillmann in Französisch und Deutsch


BuchDie bezaubernde Geschichte einer Freundschaft!

Ein Roman über das Ziel, das allen Religionen gemeinsam ist: Glück - für sich und andere.

Moses, der alleine mit seinem schwermütigen jüdischen Vater zusammenlebt, ist zwölf, und Monsieur Ibrahim, der einen Kolonialwarenladen in der Rue Bleue in Paris unterhält, ein verschmitzter Weiser, der in jeder Lebenslage etwas Passendes in seinem Koran zu finden weiß.
Monsieur Ibrahim kennt etwas ganz Besonderes: das Geheimnis des Glücks.


Rezension (Quelle: literaturtest.de)

Der junge Momo ist plötzlich ganz auf sich allein gestellt. Er hat nur einen Freund – einen einzigen – und das ist Monsieur Ibrahim, der arabische Lebensmittelhändler aus der Rue Bleue. Aber die Dinge sind nicht so, wie sie scheinen: Denn die Rue Bleue ist nicht blau, Monsieur Ibrahim ist kein Araber und das Leben ist nicht zwangsläufig ein Trauerspiel...

Monsieur Ibrahims Geschäft in der Rue Bleue hat quasi Tag und Nacht geöffnet. Schließlich ist Monsieur Ibrahim Araber, und wie er selber sagt, bedeutet das in seiner Branche weniger die Bezeichnung der Herkunft als vielmehr: „Nachts und auch am Sonntag geöffnet.“ Für den jungen Moses ist der Laden denn auch tägliche Anlaufstelle. Nirgendwo lassen sich Konservendosen besser klauen als in Monsieur Ibrahims voll gestopftem Reich. Die wenigen Sätze, die die beiden anfangs miteinander wechseln, wachsen sich bald zu tiefsinnigen Gesprächen aus, denn Monsieur Ibrahim erweist sich als Kenner des Lebens. Er ist so ganz anders als Moses depressiver Vater, der von der Vergangenheit heimgesucht wird, sich dem Leben verschließt und in Büchern vergräbt. „Jude sein“, so sagt er eines Tages zu Moses, „bedeutet einfach, Erinnerungen zu haben. Schlechte Erinnerungen.“

Monsieur Ibrahim aber lebt in der Gegenwart, und er kennt das Geheimnis des Glücks. Mit Hilfe seiner Weisheiten, die er dem Leben und dem Koran entnimmt, eröffnet er dem jungen Moses eine neue Welt. Er steht ihm bei, wenn es um die ersten Liebeserfahrungen geht, er verrät ihm, wie man Brigitte Bardot eine Wasserflasche für 40 Francs verkauft, und er sensibilisiert den Jungen für die berühmten „Freuden des Alltags“. So wie Moses profitiert auch der Leser von Monsieur Ibrahims charmanten Weisheiten. So etwa, wenn er das Geheimnis des Lächelns offenbart, das nicht, wie Moses meint „nur etwas für glückliche Leute ist“, sondern, wie Monsieur Ibrahim lehrt, erst „glücklich macht“. Woran man eine reiche Gegend erkennt, wie man einer Frau Komplimente macht, oder warum man nur das behalten kann, was man verschenkt, erklärt der weise Araber auf liebevolle Weise.

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran ist ein Buch über die wesentlichen Erfahrungen, die einem das Leben beschert. Über Freundschaft und Liebe genauso wie über Abschied und Verlust. Und nicht zuletzt geht es um das Ziel, das allen Religionen gemeinsam ist: Glück – für sich und andere.
(Eva Hepper)



© Deutsch-Französische Gesellschaft Hof e.V. - Hof, 09.05.2005